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Kohlen-Sage

Gladbeck, den 10.06.2011

Die Entdeckung der Steinkohle an der Ruhr.

Der Sage nach wurde im Jahre 1546 von einem Knaben der Kühe hütete, am Fluss "Ruhr", die Steinkohle entdeckt.

Eines Tages zündete der junge Hirte auf einigen aufgelesenen Steinen ein Holzfeuer an. Als er nach einiger Zeit zu seiner Feuerstelle zurückkehrte, wunderte er sich, dass sein Feuer nicht erloschen war. Die zuvor gesammelten Steine glimmten und brannten. Dorfbewohner die herbeieilten, überzeugten sich, dass die bisher nicht beachteten schwarzen Steine, hervorragend brannten. Um diese als Brennmaterial zu fördern, bildete sich alsbald eine Gesellschaft, die vom Staat unterstützt und mit zehnjähriger Steuerbefreiung ausgestattet wurde. Diese Gesellschaft soll an jener Stelle ein Bergwerk errichtet haben.

Nach anderen Überlieferungen soll ein Bergwerk zwischen den Orten Langenfeld und Hattingen das Älteste in unserem Land gewesen sein. Ein junger Hirte suchte eine geeignete Stelle, um ein Lagerfeuer anzünden zu können. Ein Mutterschwein (Muthe) seiner Herde wühlte an einem Baum ein Loch ins Erdreich. An dieser Stelle entzündete der Knabe ein Feuer. Am nächsten Morgen fand er an dieser Stelle eine große Glut im schwarzen Erdreich vor. Der herbeigerufene Vater untersuchte die Entdeckung seines Sohnes, der später an dieser Stelle das erste Kohlenbergwerk errichten ließ. Der Name dieser ersten Zeche hieß "op der Muthe".



Theodor Holländer schreibt in seinem „Gladbecker Heimatbuch für Schule und Haus“:

Das Abteufen der Zweckeler Schächte.

Man schreibt den 1.Juli 1908. Weitab vom Getriebe der Welt liegt verträumt im Frieden der Beckschen Waldungen Mertmanns Hof. Der Roggen dort auf dem Felde ist abgeblüht. Die Ähren neigen sich unter der Last der schwellenden Körner, und das Grün der Halme verblasst. Im Gras zirpt die Grille, und aus dem Wald dringt das liebliche Konzert gefiederter Sänger. Plötzlich stößt der Markolf seinen krächzenden Warnruf aus. Aus dem Walde taucht ein Trupp von 10 Mann auf. 5 Arbeiter sind darunter mit Spaten, Schaufeln und Hacken. Sie lenken ihre Schritte zum wogenden Kornfeld. Schon steht Konrad Könkes am Feldrain, und rtsch, rtsch! fallen die reifenden Halme der scharfen Sense zum Opfer. Auf dem Stoppelfeld wird ein Kreis von 6 m Durchmesser gezogen. Oberbergrat von Meer ergreift den Spaten, stößt ihn in die Stoppeln und wirft die Erde aus dem Kreis. Mit feierlicher Miene schauen die Begleiter zu. Eine kurze Ansprache. Der erste Spatenstich zur Schachtanlage Zweckel ist erfolgt und damit eine neue Entwicklung für die stille Bauerschaft Zweckel angebahnt.

Vom 1. bis 10. Juli bestand die Belegschaft aus nur 5 Mann. Keine Maschine, kein Gebäude, kein Gerüst war vorhanden. Zunächst wurde mit der Hand abgetäuft und bis 8 m Tiefe die Berge mittels Bühnen hochgebracht. Mittlerweile waren vom Bahnhof Gladbeck-Ost auf beschwerlichen Sandwegen 2 Lokomobilkessel angefahren worden. Ein Vierbock und ein Förderhaspel mit Trommel wurden eingebaut, so dass am 22. Juli die Arbeiten fortgesetzt werden konnten. Von 8,50 bis 10 m war eine Fließschicht zu bewältigen. Bei 12 m wurden Recklinghäuser Mergel angefahren. Im Juli teufte man an 15 Arbeitstagen 15 m, also täglich durchschnittlich 1 m ab. Bei 9 m zeigte sich ein Wasserzufluß von 900 L in der Minute, zu dessen Hebung man eine Pumpe einbaute. Von 9 m an musste man mit Spreng-stoff arbeiten. Der erste Sprengschuß schleuderte den Vierbock vom Schacht fort.

Am 1. August 1908 begann 100 m nördlich von Schacht 1 am Waldrand das Abteufen des Schachtes 2. Von da an arbeitete man wechselweise oder gleichzeitig an beiden Schächten. Im September erbaute man hölzerne Schachtgerüste. Bei einer Tiefe von 98 m stieß man auf Emschermergel.

Inzwischen waren über Tage einige Gebäude errichtet worden, darunter eine einfache Waschkaue in Fachwerk, die auch Büroräume enthielt, und ein Kesselhaus, das zwei ausgediente Schiffskessel aufnahm. Im Verlauf eines Jahres war Schacht 1 bis 333 m, Schacht 2 bis 202 m abgeteuft. Außerdem hatte man zur Wassergewinnung einen Brunnen mit 5 m lichten Durchmesser 28 m tief niedergebracht, der einen Eisenbetonausbau erhielt. In dem Brunnen betrug der Wasserzufluß 1400 L in der Minute.

Im Verlauf des 2. Betriebsjahres erreichte Schacht 1 eine Tiefe von 500 m, Schacht 2 von 425 m. Im September 1909 traf man bei 378 m das Steinkohlengebirge. Großer Jubel herrschte. Schnell wurden grüne Zweige hinuntergelassen und das erste Kohlenkübel fest- lich geschmückt. Den ganzen Nachmittag knallten Böllerschüsse. Im „Kasino“ bei Neumanns Karl wurde selbstverständlich ausgiebig „berieselt“.

Im zweiten Jahre bereiten die Wasserzuflüsse besondere Schwierigkeiten. Bei 403 m spülte ein Wassereinbruch aus dem Schachstoß ein Stück von 10 m Breite und 5 m Höhe fort. Zum Wasserziehen benutzte man Pumpen, Kübel und Tonnen von 5 cbm Inhalt, die am Grund ein Klappenventil hatten, so dass die Tonnen einfach in den Sumpf eintauchen konnten. Bei 462 m wurde das Füllort der ersten Sohle aufgefahren und mit Beton ausgebaut. Im November 1910 setzte man bei 564 m die zweite Sohle an. Im Dezember 1910 stellte man das Abteufen vorübergehend ein. Schacht 1 hatte zu der Zeit von 579 m, Schacht 2 von 476 m.

Folgende Übersicht gibt Aufschluß über das bis dahin in Schacht 1 durchtriebene Gebirge.


0 - 12 m Mutterboden und Eiszeitschichten

12- 98 m Recklinghauser Mergel

98- 287 m Emschermergel

287- 320 m weißer Mergel

320- 334 m Essener Grünsande

334- 368 m Buntsandstein

368- 375 m Zechstein

375- 376 m Kupferschiefer

378 m Steinkohle

378- 391 m roter Sandstein

391- 400 m Sandschiefer

400- 402 m gestörter Schiefer

402- 423 m roter Sandstein

423- 444 m Konglomerat

444- 445,65 m Steinkohlenflöz mit Störung

445- 460 m Sandschiefer


Von 460 m wechseln Schiefer und Sandstein. In größerer Tiefe herrscht Schiefer vor, der von Sandsteinbänken durchsetzt ist.

Der endgültige Ausbau des Schachtes geschah bis 82 m mit Tübbings, von da ab mit Mauer- werk und Eisenbeton. Die Gesamtbelegschaft war bis 1910 auf 230 Mann angewachsen.

Das Jahr 1911 verging mit weiteren Vorrichtungsarbeiten. Die eisernen Schachttürme entstanden, Förderschalen wurden eingebaut. Der Schacht erhielt die verschiedenen Trume, Spurlatten und Rohrleitungen für Wasser, Druckluft und elektrische Leitungen. Die Füll- örter wurden vollendet und Sprengstoffkammern, Pferdeställe und Pumpkammern ange- legt, dazu elektrische Wasserhaltungen eingebaut. Außerdem wurden Richtstrecken und Querschläge ins Feld getrieben und Aufbrüche aufgefahren. Von der 564 m Sohle des Schachtes 1 stieß man mit einem Querschlag unter Schacht 2 vor und schuf von dort einen Aufbruch zur ersten Sohle des Schachtes 2, wo man am 14. Februar 1912 durchschlägig wurde. Bei den Vorrichtungsarbeiten wurden im Dezember 1911 175 Wagen Kohlen gefördert.

Im Jahre 1912 setzte man den unterirdischen Ausbau fort und traf alle Vorbereitungen für die endgültige Kohlenförderung. Am 28. August 1912 versagten beide elektrischen Wasser- haltungen. Da die Ersatzteile von Berlin beschafft werden mussten, versoff die Zeche. Das Wasser stieg bis zur Wettersohle. Die Belegschaft wurde bis auf einen kleinen Rest nach Scholven und Möller verlegt. Das Sümpfen erfolgte in etwa 14 Tagen mit „Zeppelinen“, großen Tonnen von 7 cbm Inhalt. Am 1. Oktober konnten die normalen Arbeiten wieder einsetzen. Im November 1914 stellte man, nachdem Schacht 1 650 m abgeteuft war, wegen des Krieges die Abteufarbeiten zunächst ein. 1915 legte man zahlreiche Russen aus den besetzten Gebiet an. 1916 wurde das Füllort auf der 3. Sohle des Schachtes 1 fertig- gestellt und von dort Schacht 2 unterfahren. Mit der Herstellung der Schachtsümpfe hatten die Abteufarbeiten 1928 einen vorläufigen Abschluß gefunden.



Aus dem „Gladbecker Heimatbuch für Schule und Haus“, von Th.Holländer Jahr 1969 !

Ein alter Bergmann erzählt

1967 starb im Alter von 103 Jahren der Berginvalide Heinrich Boßler, von der Spiekerstraße in Zweckel. Ihm verdanken wir folgende Schilderung aus seiner Bergmannszeit.

Nach meiner Schulentlassung im Jahr 1878 arbeitete ich zunächst bei einem Bauern. 1879 fragte ich auf Zeche Moltke um Arbeit an, aber vergebens. Kurz entschlossen ging ich nach Karnap (Stadt Essen) und wurde auf der Zeche Mathias-Stinnes 1/2 angelegt. Der Weg von meiner Wohnung bis zur Arbeitsstätte betrug 1 ½ Stunden und musste natürlich zu Fuß gemacht werden. Ich tröstete mich damit, dass die anderen Bergleute aus Zweckel, die auf "Neu-Essen" arbeiteten, einen noch weiteren Weg hatten.

In den Sommermonaten begann die Seilfahrt um 5 Uhr, so dass ich um 3 Uhr aufstehen musste. Wenn wir am Ende der Schicht nicht auf die Seilfahrt warten wollten, kletterten wir auf Fahrten (Leitern) im Schacht hoch.

Verdient habe ich als Klauber und Schmierjunge 1 Mark je Schicht, als Pferdejunge 1,60 Mark und als Schlepper 2,20 Mark. 1882 kam ich nach Moltke, wo ich für einen Schichtlohn von 2 Mark arbeitete. Hauer brachten es zu der Zeit im Gedinge auf 3,50 Mark.

Als in den achtziger Jahren (des vorletzten Jahrhundert) der Bedarf an Bergleuten aus der eingesessenen Bevölkerung nicht mehr gedeckt werden konnte, schickte der damalige Direktor Albrecht, Werber nach Schlesien. Für die Angeworbenen mussten Wohnungen beschafft werden. Im Auftrag der Zeche baute der Wirt und Bauunternehmer Fischer an der Berliner Straße im Anschluß an die Lindenstraße mehrere 1 ½ stöckige Arbeiterhäuser, die dort noch jetzt stehen. Im Volksmund erhielt diese erste Arbeitersiedlung Gladbecks den Namen Neu-Schlesien. Fischer bebaute dann fast die ganze Kolpingstraße. Die erste werkseigene Siedlung der Zeche Moltke entstand 1888 an der Uhlandstraße.

Brausen in den Waschkauen kannte man damals noch nicht. In der Waschkaue war ein Wasserbecken von vielleicht 10 mal 10 Metern Oberfläche. Wir stiegen hinein und wuschen uns. Dabei blieben wir möglichst am Rand, weil wir dort die Seife niederlegen konnten. Man mag sich ausmalen, wie das Wasser aussah, nachdem Hunderte von Bergleuten darin gebadet hatten. Und wenn im Sommer das Wasser knapp war, wurde es nicht einmal täglich erneuert.

Zum Unterbringen der Kleidung hatte jeder ein verschließbares Fach. Sicherheitslampen gab es nicht. Gearbeitet wurde bei offenem Licht, einer Rüböl-Lampe, die jeder Bergmann selber beschaffen und für die er auch das Nötige besorgen musste. Da die Lampe auch in das Kleiderfach gestellt wurde, gab es natürlich viel Schmiererei. Gesprengt wurde zu jener Zeit auch schon, und zwar im Gestein mit Dynamit, in der Kohle mit Schwarzpulver. Das Pulver musste jeder Kameradschaft selbst besorgen.

In Gladbeck gab es mehrere Pulverschuppen. Einen davon besaß der Wirt Fischer in der Kiebitzheide. Der Ortsälteste kaufte dort das Pulver in Säckchen zu 5 Pfund. Der Wirt war sehr entgegenkommend. Man konnte das Pulver bei ihm, was zwar verboten war, auch in seiner Wirtschaft an der Buerschenstraße abholen. Das förderte gleichzeitig den Schnapsumsatz. Das Pulver nahm man getrost mit nach Hause und am nächsten Morgen mit zur Zeche. Während der Seilfahrt steckte man das Pulversäckchen vorsichtshalber unters Hemd, damit es nicht zunahe ans Geleucht (die Lampe des Bergmann) kam. In der Grube wurde das Pulver in Blechschachteln aufbewahrt, um es vor Feuchtigkeit zu schützen.

Zum Schießen (Sprengen) wurden Bohrlöcher bis zu 1,50 Meter angesetzt und mit einem Krätzer (Hacke mit dreieckigen Metallblech) gesäubert. Dann wurde auf eine Länge von 40 bis 60cm grobes Pulver eingefüllt. Der übrige Teil des Bohrloches erhielt einen Verschluss aus Lehm. Jede Kameradschaft sollte stets einen Kasten mit Lehm vorrätig haben. Weil das zu umständlich war, half man sich vielfach mit Bergschlamm. In dem Lehmpropfen sparte man mit einer Kupfernadel einen freien Kanal aus. Der Lehrhauer holte aus der Halmlade Halme und "Schwefelmänner". Die hatte er zu Hause angefertigt. Er schnitt Glieder aus einem Roggenhalm so heraus, dass das eine Ende mit einem Knoten verschlossen war. Dann füllte er Feinpulver hinein und verschloss das andere Ende mit Siegellack. Wollfäden wurden durch kochenden Schwefel gezogen und auf diese weise zu "Schwefelmännern".

Beim Schießen wurde der Halm an einem Ende geöffnet und von diesem her fast ganz in den Kanal eingeführt. Das herausragende Stückchen umwickelte man mit einem Schwefelmann und hielt die offene Lampe daran. Der Schwefel entzündete sich, brannte den Strohhalm durch und entzündete das Feinpulver, das durch den Kanal in die Hauptpulverladung schlug.

Neben meiner Berufsarbeit versorgte ich meinen Kotten. Trotz der gefahrvollen Arbeit bin ich gottlob von Unfällen verschont geblieben. Einmal wäre ich aber mit ziemlicher Gewissheit in der Grube zu Tode gekommen, wenn nicht mein Sohn, der mit mir zusammenarbeitete, mich gerettet hätte.


Michael Polan



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Die von dem alten Bergmann "Heinrich Boßler" beschriebenen Schwefelmänchen, findet man als äußerst seltene
Exponate im "Deutschen Bergbaumuseum" in Bochum.



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In dem Heft 1./83 „Gladbeck unsere Stadt“ des Heimatvereins wurde folgende Geschichte veröffentlicht:

„Wie alle anderen heimischen Zechen wurde auch die Schachtanlage Zweckel entsprechend der Polizeiverordnung eingefriedet. Zur Ausführung kamen ein heute noch an der Arenbergstraße sichtbarer Stahlzaun und eben eine Zechenmauer. Diese, noch heute größtenteils erhaltene Mauer ist im Jahre 1913 vom Bauunternehmen Johann Brauckmann, Kirchhellen, Vorfahren der hiesigen Firma Brauckmann, errichtet worden.

Ein noch heute lebender 90jähriger Maurermeister, Hugo Spahm (Kirchhellen), war u.a. bei den Bauarbeiten beteiligt. Die Ausführung wird von Herrn Spahm wie folgt beschrieben:

Nach einem Fundament aus Magerbeton im Mischungsverhältnis 1:12 –Kies, Zement-, wurde mit Zechensteinen im Format 25 >< 12,5 >< 7 cm die Mauer mit Pfeilern errichtet.

Nach Einbau der Stahlgitter – erstellt von dem Schmiedemeister Franz Michelt, Kirchhellen – wurde ein Putz Mischungsverhältnis 1:4 - Zement- Rheinsand - aufgetragen und mit einer Zement-Sand-Brühe, Mischungsverhältnis 1:2 im Spritzverfahren versehen.

Die Arbeit wurde an 6 Tagen in der Woche erbracht. Die Arbeitszeit währte von montags bis freitags je 11 Stunden, an Samstagen 10 Stunden. Bei einem Stundenlohn von 60 Pfennigen musste täglich ein Pfeiler erstellt werden. Im Akkord wurden jedoch täglich 2 Pfeiler erstellt.

Die Schachtanlage Zweckel – jüngste Zeche auf Gladbecker Gebiet und als erste von der Einstellung der Kohlerförderung betroffen – repräsentiert unübersehbar mit den noch erhaltenen Gebäuden und Einfriedungen einen erheblichen Teil der bergbaugeschichtlichen Entwicklung in der Stadt Gladbeck.“


Dieser Artikel wurde verfasst von Herrn Bernd D. Romswinkel







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